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Wissen · Meine Bachelorarbeit

Mit 15’000 Franken die Schweizer Vorsorge sichern

Was wäre, wenn jedes Schweizer Neugeborene bei Geburt 15’000 Franken in einen Weltaktien-Indexfonds bekäme – finanziert, ohne das Bundesbudget zu sprengen? Genau das habe ich in meiner Bachelorarbeit durchgerechnet.

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Das Schweizer Vorsorgesystem steht unter Druck: Die Bevölkerung altert, die Geburtenraten sinken, und das Umlageverfahren der AHV gerät zunehmend an seine Grenzen. In meiner Bachelorarbeit an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich habe ich deshalb eine einfache, aber wirkungsvolle Frage untersucht: Was wäre, wenn jedes Schweizer Neugeborene bei Geburt einmalig 15’000 Franken in einen globalen Aktienindex investiert bekäme – und dieses Geld dann 65 Jahre lang ungestört arbeiten dürfte?

Die Forschungsfrage lautete konkret: Wie kann die zusätzliche Einbindung von Weltaktien-Indexfonds die langfristige Sicherheit der Altersvorsorge verbessern, ohne das Risikoprofil des bestehenden 3-Säulen-Systems zu verändern? Es geht also nicht darum, AHV, Pensionskasse oder Säule 3a zu ersetzen, sondern um eine ergänzende vierte Komponente, die den Zinseszinseffekt über einen extrem langen Horizont nutzt.

15’000
CHF Einmalinvestment pro Neugeborenem
~1,2 Mio
CHF pro Kopf bei Pension (7% Rendite, 65 Jahre)
6,9%
Nettorendite pro Rentner im selbsttragenden Modell
🌱

Die Grundidee: Zeit ist der grösste Hebel

Der Kern des Modells ist der Zinseszinseffekt über einen sehr langen Zeitraum. Wird ein einmaliger Betrag von 15’000 Franken bei der Geburt investiert und über 65 Jahre mit durchschnittlich 7% Rendite verzinst, wächst er auf rund 1,2 Millionen Franken an – ganz ohne weitere Einzahlungen. Genau diese Hebelwirkung der Zeit macht das Modell so kraftvoll: Der grösste Teil des Wachstums entsteht erst in den letzten Jahren.

0300k600k900k1,2 Mio ≈ 1,2 Mio 15’000 0J10J20J30J40J50J60J

Wachstum eines Einmalinvestments von 15’000 Franken bei 7% Rendite über 65 Jahre. Eigene Berechnung.

Zum Vergleich: Mit der historischen Durchschnittsrendite des dem Modell zugrunde liegenden Index (rund 7,76%) wären sogar etwa 1,93 Millionen Franken möglich gewesen. Die 7%-Annahme ist also bewusst konservativ gewählt.

🧮

Was würde das die Schweiz kosten?

Der jährliche Finanzierungsbedarf ergibt sich aus der Zahl der Neugeborenen multipliziert mit den 15’000 Franken – inklusive eines jährlichen Inflationsausgleichs von 2%, damit künftige Jahrgänge dieselbe Kaufkraft erhalten. Im Jahr 2021 lag das bei rund 962 Millionen Franken (64’132 Neugeborene × 15’000). Bei Gesamtausgaben des Bundes von rund 82 Milliarden entspricht das gerade einmal 1,17% des Budgets.

Jahrpro KindGeburtenKosten total% Bundesbudget
202115’00064’132962 Mio1,17%
202215’30058’556896 Mio1,19%
202315’60656’122876 Mio1,16%

Quelle: Bundesamt für Statistik (2024), eigene Berechnung.

Auffällig: Die Geburtenzahlen sinken stetig – was den Finanzierungsbedarf über die Jahre sogar leicht reduziert. Knapp eine Milliarde pro Jahr ist trotzdem ein stolzer Batzen. Die entscheidende Frage ist also: Woher soll dieses Geld kommen, ohne den Bundeshaushalt zu sprengen?

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Die Finanzierung: eine Bundesanleihe

In der Arbeit habe ich mehrere Finanzierungswege geprüft – unter anderem eine geringfügige Erhöhung der Mehrwertsteuer von 8,1% auf 8,4%. Weiterverfolgt habe ich aber die elegantere Variante: eine zweckgebundene Bundesanleihe. Die Eidgenossenschaft gibt dabei jedes Jahr eine Anleihe in Höhe des Finanzierungsbedarfs aus, mit einer Laufzeit von 65 Jahren (dem aktuellen Referenz-Rentenalter) und einem Zinssatz von 2%.

Der Clou: Bei einer Anleihe muss der Bund nicht die volle Milliarde als Ausgabe verbuchen, sondern trägt nur die Zinskosten von rund 19 Millionen Franken pro Jahrgang. Das belastet das Bundesbudget mit lediglich 0,02% – statt 1,17% bei einer direkten Ausgabe. Mit den eingenommenen 962 Millionen wird der Aktienindexfonds gekauft.

Belastung des Bundesbudgets pro JahrgangDirekte Ausgabe (ohne Modell)962 Mio · 1,17%Nur Zinskosten der Anleihe19 Mio · 0,02%

Belastung des Bundesbudgets: direkte Ausgabe gegenüber blosser Zinslast der Anleihe. Eigene Berechnung.

Die hohe Bonität der Schweiz (Spitzenrating bei allen grossen Agenturen) sorgt dafür, dass solche Anleihen problemlos Abnehmer finden. Ein gewisses Restrisiko bleibt – steigen die Zinsen für neue Anleihen deutlich, steigen auch die Kosten. Bei der aktuell tiefen Durchschnittsverzinsung der bestehenden Bundesschuld ist die 2%-Annahme aber realistisch.

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Wohin wird investiert?

Das Geld fliesst in einen Fonds, der dem FTSE Global All Cap Index folgt. Dieser bildet praktisch die gesamte investierbare Weltwirtschaft ab: über 10’000 Unternehmen aus 48 Ländern, von Small bis Large Cap, aus Industrie- und Schwellenländern. Damit ist das Portfolio maximal diversifiziert und sammelt schlicht die Rendite des Weltmarkts ein.

Bewusst wird auf eine passive Lösung gesetzt – das ist wissenschaftlich die sinnvollste Wahl, da aktives Management über solche Zeiträume praktisch nie besser abschneidet. Dank des enormen Skaleneffekts wäre die Umsetzung extrem günstig: Ich rechne mit einer Gesamtkostenquote (TER) von unter 0,2% inklusive sämtlicher Administration. Als Vorlage könnte ein Fonds wie der Vanguard VT dienen; denkbar wäre, dass der Bund gemeinsam mit Schweizer Banken und Anbietern wie Vanguard, iShares oder Invesco einen eigenen Fonds für diesen Zweck auflegt.

Wichtig für die Akzeptanz: Über lange Zeiträume ist ein solcher Index erstaunlich verlässlich. Historisch gab es zwar heftige Einbrüche (etwa −55% in der Finanzkrise 2008/09), doch über rollierende Zeiträume von 15 Jahren und mehr war die Rendite in der Vergangenheit nie negativ. Genau diese Langfristigkeit macht den Ansatz für die Vorsorge geeignet.

📈

Die Simulation für den Jahrgang 2021

So läuft das Modell konkret ab – am Beispiel des Jahrgangs 2021:

  1. Der Bund gibt die Anleihe aus und nimmt rund 962 Millionen Franken ein.
  2. Mit diesem Geld kauft er den globalen Aktienindexfonds für den gesamten Jahrgang.
  3. Statt der vollen Summe trägt er jährlich nur die Zinskosten von ~19 Millionen – über die gesamte Laufzeit rund 1,25 Milliarden.
  4. Nach 65 Jahren ist das Investment des Jahrgangs auf 78 Milliarden Franken angewachsen (bei 7% Rendite).
  5. Die Anleihe wird problemlos zurückgezahlt – pro Kopf bleiben rund 1,2 Millionen Franken pro Rentner.
Aus knapp 1 Mrd Schulden werden 78 Mrd VermögenJahrgang 2021, 7% Rendite962 MioAufgenommene Anleihe78 MrdInvestment nach 65 Jahren

Aus rund 962 Mio Anleiheschuld wird über 65 Jahre ein Vermögen von 78 Mrd. Eigene Berechnung, 7% Rendite.

Man kann sogar noch weiter gehen: Selbst wenn man den Bund für die gezahlten Zinsen (1,25 Mrd) entschädigt und direkt die ganze nächste Generation mitfinanziert (2,4 Mrd), bleiben dem Jahrgang noch 73 Milliarden – rund 1,14 Millionen pro Rentner.

Ab der ersten vollständig durchfinanzierten Generation ist das System damit selbsttragend: Die Rückführung der ursprünglichen Investition finanziert die jeweils nächste Generation. Die Nettorendite pro Rentner läge bei rund 6,9%, weil der Bund den Zinsaufwand getragen hat. Eine zentrale Verwaltungsstelle würde die Fondsverwaltung, die Ausgabe der Anleihen und die Auszahlungen im Rentenalter koordinieren.

⚖️

Grenzen und offene Fragen

So überzeugend die Zahlen wirken – das Modell ist eine Machbarkeitsstudie, kein fertiges Gesetz. Mehrere Punkte müssten vertieft werden: das Zinsänderungsrisiko bei den Anleihen, die konkreten Bezugsmodalitäten im Rentenalter, steuerliche Fragen, der Umgang mit Erbfällen und Einbürgerungen sowie die rechtliche und institutionelle Verankerung. Und nicht zuletzt: die politische Machbarkeit. Ein Vorschlag, der über Jahrzehnte Vertrauen und Disziplin voraussetzt, ist im politischen Alltag schwer durchzusetzen.

💭

Mein Fazit

Auch wenn so ein Vorschlag politisch kaum eine realistische Chance hätte – als Gedankenexperiment finde ich die Überlegung stark. Sie zeigt eindrücklich, was Zeit, Zinseszins und ein breit diversifizierter Weltaktienindex über Jahrzehnte bewirken können. Genau das ist die Botschaft, die ich auch in meiner Beratung vermittle: Nicht das Timing oder die heisseste Aktie entscheiden über Vermögen, sondern ein früher Start, tiefe Kosten und ein langer Atem.

Man stelle sich vor, man hätte das vor 60 Jahren so umgesetzt. Was meinst du dazu?

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Alle Details, Berechnungen, Simulationen und Quellen findest du in der vollständigen Arbeit als PDF.
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Miguel Weber, Gründer von TrueFinance
Miguel Weber
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Dieser Beitrag fasst Auszüge meiner Bachelorarbeit «Machbarkeitsstudie zur Sicherung der Altersvorsorge in der Schweiz mit Weltaktien-Indexfonds» (HWZ, 2024) zusammen. Alle Angaben, Berechnungen und Renditeannahmen erfolgen ohne Gewähr und dienen ausschliesslich Informations- und Bildungszwecken. Es handelt sich um ein Modell bzw. Gedankenexperiment und nicht um eine politische Forderung oder Anlageberatung. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Investitionen sind mit Risiken verbunden – bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals.