Bevor du investierst, solltest du ein paar grundlegende Dinge verstehen – sie schützen dich davor, beeinflusst oder über den Tisch gezogen zu werden. Mein Ziel: dein kritisches Denken anregen, damit du eigene Entscheidungen triffst.
Manches davon klingt banal – aber für jemanden am Anfang seines finanziellen Wegs kann es enorm hilfreich sein. Genau das hätte ich mir mit 20 gewünscht. Alle Aussagen sind meine persönliche Meinung und dienen der Information, nicht der Anlageberatung.
Jeder, der dir verspricht, dass du schnell reich wirst, will dir etwas verkaufen. Das gilt besonders für die vielen Werbeversprechen auf Social Media. Es gibt nichts, was dich einfach und schnell reich macht – dahinter steckt immer jemand, der dir einen Lifestyle vorgaukelt und dir am Ende einen überteuerten Kurs verkauft.
Gerade beim Investieren ist Vorsicht geboten: Wer behauptet, mit Trading, spezieller Aktienanalyse oder ähnlichem in kurzer Zeit viel Geld zu machen, ist unseriös. Hätte er so ein System, würde er es nicht verraten – er würde es einfach selbst nutzen. Vermögensaufbau ist ein Marathon, kein Sprint.
Die Finanzbranche ist wohl die Branche mit dem grössten Interessenskonflikt überhaupt. Grosse Finanzhäuser haben am Ende einen Auftrag: Maximise Shareholder Value – also möglichst viel Gewinn für die Aktionäre. Und womit verdienen sie? Mit dem Geld ihrer Kunden. Mit deinem Geld.
Der Klassiker: Dein Kundenberater ruft an, ob du dein Geld nicht investieren möchtest. Alles wirkt professionell, höflich, schöne Folien. Am Ende empfiehlt man dir aktiv gemanagte Fonds des eigenen Hauses – und die kosten viel. Eine TER (Gesamtkostenquote) von 2% ist nicht unüblich. Ein passiver Welt-ETF kostet im Vergleich rund 0,15% – und ist langfristig meist sogar besser. Laut der SPIVA-Studie von S&P schaffen es über 20 Jahre nur etwa 2% der professionellen Anleger, einen passiven Vergleichsfonds zu schlagen.
Was 2% Gebühren über die Zeit ausmachen, zeigt dieses Beispiel – 10’000 Franken, investiert von 20 bis 65, beide mit 7% Rendite vor Kosten:
| Variante | Netto-Rendite | Endkapital |
|---|---|---|
| Aktiver Bankfonds (TER ~2%) | 5,00% | 89’850 |
| Passiver ETF (TER ~0,15%) | 6,85% | 197’175 |
Beispielrechnung, gleiche Bruttorendite von 7%. Differenz: rund 107’325 Franken – allein durch Gebühren.
Frag dich: Warum hast du nie eine Rechnung für eine Bankberatung bezahlt? Weil die Bank an den verkauften Produkten ein Vielfaches verdient. Die meisten „Berater" sind eigentlich Verkäufer auf Provision. Die einzig wirklich unabhängige Beratung ist die auf Honorarbasis – so wie man einen Anwalt bezahlt.
Was aktuell gross in den Medien ist, ist langfristig oft irrelevant – und schadet deinem Finanzwissen. Medien leben von Aufmerksamkeit und berichten über den neuesten Trend, meist über Anlagen, die zuletzt gut gelaufen sind. Das verleitet dazu, dem Hype hinterherzulaufen und genau dann einzusteigen, wenn es zu spät ist.
Das beste Beispiel ist aktuell Gold: überall in den Medien, weil es zuletzt gut lief. Ausgeblendet wird die langfristige Bilanz – seit 1975 brachte Gold real nur rund 1,6% pro Jahr, globale Aktien dagegen 6,5%. Investmententscheide sollten immer auf langen Datenreihen beruhen (30, 40, 50 Jahre), nicht auf 3 oder 5 Jahren. Der Grund: Regression zum Mittelwert – was stark gelaufen ist, kehrt tendenziell zum langfristigen Durchschnitt zurück.
Viele überschätzen sich – gerade beim Investieren. Sie glauben, sie wüssten, welche Firma sich durchsetzt, und könnten die beste Aktie finden. Aber Prognosen bei Anlagen sind extrem schwierig bis unmöglich. Die Welt ist zu komplex, und es gibt zu viele unbekannte Faktoren. Bestes Beispiel: Corona hätte 2018 niemand vorhergesehen.
Besonders Leute mit Wirtschaftsstudium oder aus der Finanzwelt sind davon betroffen. Verantwortlich ist die Markteffizienztheorie: In einem effizienten Markt sind alle verfügbaren Informationen bereits eingepreist – niemand kann sich langfristig einen echten Vorteil erarbeiten.
Viele denken, jetzt sei der falsche Moment – man solle warten, bis die Kurse fallen. In der Finanzwelt heisst das Market Timing. Das Problem: Niemand weiss, wann die Kurse fallen, und du wirst den Tiefpunkt nie treffen. Während du wartest, steigen die Kurse einfach weiter, und du stehst an der Seitenlinie.
Die Wahrheit ist: Der beste Moment zu investieren ist jetzt. Je früher dein Geld investiert ist, desto früher fängt es an, für dich zu arbeiten.
In dieser Podcast-Folge gehe ich alle fünf Grundsätze im Detail durch:
Bei TrueFinance geht es um Finanzbildung ohne Interessenskonflikte – keine versteckten Provisionen, keine Produktverkäufe. Nur Fakten, Daten und nachvollziehbare Anleitungen.
Genau deshalb zeige ich dir auch, was hinter teuren Finanzprodukten steckt – damit du deine Entscheidungen selbst und gut informiert treffen kannst.
Alle Inhalte dieses Beitrags spiegeln meine persönliche Meinung wider und dienen ausschliesslich Informations- und Bildungszwecken. Sie stellen keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Investitionen an den Finanzmärkten sind mit Risiken verbunden – bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Bei individuellen Fragen sollte stets ein unabhängiger Fachspezialist beigezogen werden.