Ich habe 231 Schweizer Säule-3a-Angebote ausgewertet und die aktiven Fonds-Lösungen mit ihrer passiven Alternative verglichen – gleicher Aktienanteil, gleicher Zeitraum, gleiche Spielregeln. Das Ergebnis ist ernüchternd: 150 von 160 aktiven Lösungen haben über die letzten fünf Jahre weniger Rendite gebracht als der Durchschnitt der passiven – und kosten dich dabei mehr als das Doppelte. Das ist kein Pech und kein Ausreisser. Es ist System – und es hat einen Namen: Interessenkonflikt.
Die Säule 3a ist für viele die wichtigste Geldanlage ihres Lebens – jedes Jahr ein paar tausend Franken, über Jahrzehnte, steuerbegünstigt. Genau deshalb ist es so bitter, wenn dieses Geld in einem Produkt landet, das systematisch weniger abwirft als nötig. Und genau das passiert in der grossen Mehrheit der Fälle.
Ich habe mir die Mühe gemacht und den Schweizer 3a-Markt durchgerechnet: 231 Angebote, aufgeteilt in 71 passive und 160 aktive Lösungen. Für jede aktive Lösung gibt es eine passive Alternative mit dem gleichen Aktienanteil – also mit dem gleichen Risiko. Damit lässt sich sauber vergleichen, was das «aktive Management» dir wirklich bringt. Spoiler: meistens nichts. Ausser Kosten.
Lies die Zahlen in der Mitte noch einmal: Von rund zehn aktiven 3a-Fonds schlagen neun nicht einmal den Durchschnitt der passiven Konkurrenz – und das, obwohl sie dich im Schnitt mehr als doppelt so viel kosten. Schauen wir uns an, wie das zustande kommt, warum es kein Zufall ist, und wem das nützt.
Bevor wir in die Zahlen einsteigen, die zwei Begriffe ganz ohne Fachchinesisch:
Aktiv heisst: Ein – meist teurer – Fondsmanager versucht, gezielt einzelne Aktien auszuwählen und den Markt zu schlagen. Er kauft, was er für unterbewertet hält, verkauft, was er für überteuert hält, und lässt sich diese Arbeit gut bezahlen.
Passiv heisst: Ein vorher definierter Index – zum Beispiel «alle grossen Aktien der Welt» – wird einfach so kostengünstig wie möglich nachgebildet. Kein Stockpicking, kein teurer Manager, keine Wetten. Du besitzt schlicht den ganzen Markt.
Ich habe alle Angebote nach Aktienanteil in fünf Gruppen sortiert – von defensiv (wenig Aktien) bis aggressiv (fast nur Aktien). In jeder einzelnen Gruppe wiederholt sich dasselbe Bild. Fangen wir oben an, bei den Lösungen für lange Anlagehorizonte.
Wer jung ist und Jahrzehnte bis zur Pensionierung hat, fährt typischerweise einen hohen Aktienanteil. Über fünf Jahre sieht die Bilanz so aus:
17 Prozentpunkte Renditeunterschied – in nur fünf Jahren. Das ist kein Rundungsfehler, das ist ein gerissenes Loch in deiner Vorsorge. Besonders entlarvend: Der schlechteste passive Anbieter dieser Gruppe lag bei rund 51 % – und damit immer noch klar über dem Durchschnitt aller aktiven (43.7 %). Anders gesagt: Selbst wenn du beim Passiv-Anbieter die schlechteste Wahl getroffen hättest, wärst du besser gefahren als der typische aktive Fonds.
Eine Stufe defensiver – und das Resultat wird noch deutlicher:
Hier gibt es nichts schönzureden: Von 23 aktiven Fonds hat es kein einziger über den Durchschnitt der passiven Alternative geschafft. Nicht einer. Die Trefferquote des aktiven Managements in dieser Risikoklasse beträgt exakt null Prozent. Und auch hier: Der schlechteste passive Anbieter (~42 %) war besser als der durchschnittliche aktive (33 %).
45 untersuchte aktive Fonds, genau einer über dem passiven Schnitt. Das sind 98 % Verlierer. Wer hier blind in einen aktiven Fonds investiert hat, hatte rechnerisch eine 1-zu-45-Chance, überhaupt den Durchschnitt der günstigen Variante zu erreichen – geschweige denn zu schlagen.
In dieser grossen Gruppe (57 Fonds) schafften es nur fünf über den passiven Schnitt – 91 % verloren. Der schlechteste aktive Fonds landete sogar bei −1 %: Nach fünf Jahren hattest du also weniger als eingezahlt, obwohl die passive Alternative im Schnitt fast 18 % zulegte. Bei einem defensiven Produkt, das eigentlich Sicherheit verspricht, ist das ein doppeltes Ärgernis.
Auch ganz defensiv kein anderes Bild: 90 % der aktiven Fonds verlieren, und der schlechteste rutscht auf −5.5 %. Bei einem Produkt mit kaum Aktien Geld zu verlieren, während die passive Alternative im Plus liegt – das schafft man fast nur mit hohen Gebühren auf einem mageren Portfolio.
Die fünf Risikostufen nebeneinander. In jeder einzelnen schlägt die passive Lösung die aktive im Schnitt deutlich – und in jeder ist die Mehrheit der aktiven Fonds schlechter als der passive Durchschnitt:
| Aktienanteil | Passiv Ø | Aktiv Ø | Differenz | Aktive schlechter |
|---|---|---|---|---|
| 90–100 % | 60.8 % | 43.7 % | −17.1 | 13 / 15 |
| 70–85 % | 50.8 % | 33.1 % | −17.7 | 23 / 23 |
| 45–65 % | 31.7 % | 20.0 % | −11.7 | 44 / 45 |
| 25–40 % | 17.7 % | 9.9 % | −7.8 | 52 / 57 |
| 5–20 % | 10.6 % | 4.7 % | −5.9 | 18 / 20 |
5-Jahres-Renditen (kumuliert), Stand April 2026. «Passiv Ø» = Durchschnitt der passiven Lösungen mit vergleichbarem Aktienanteil. «Aktiv Ø» = Durchschnitt der aktiven Fonds derselben Gruppe. Datenquelle: Evaluno.ch (3a-Fonds-Vergleich).
In allen fünf Risikostufen gewinnt die passive Lösung. Nicht knapp, nicht zufällig – sondern jedes Mal und mit klarem Abstand.
Damit du dich auf kein einziges meiner Worte verlassen musst, findest du hier den kompletten Datensatz: alle 254 ausgewerteten Säule-3a-Angebote mit Anbieter, Produktname, Aktienanteil, Gebühr und 5-Jahres-Rendite. Klick auf eine Spaltenüberschrift zum Sortieren, filtere nach aktiv/passiv oder such direkt nach deinem Anbieter. So siehst du mit eigenen Augen, wo dein aktuelles Produkt steht. Die Rendite- und Gebührendaten stammen aus dem unabhängigen 3a-Fonds-Vergleich von Evaluno.ch (Stand April 2026); die Gruppierung und Auswertung nach Aktienanteil habe ich selbst gemacht.
| Typ | Anbieter | Produkt | Aktien % | Gebühr % | 5J %▼ |
|---|
Kumulierte 5-Jahres-Rendite (5J %) und jährliche Gesamtgebühr (TER) je Produkt. «Aktien %» = Aktienquote der Strategie. Datenquelle: Evaluno.ch (3a-Fonds-Vergleich), Stand April 2026. Werte sind Stichtagswerte und dienen der Information, nicht als Kaufempfehlung.
Jetzt kommt der Teil, der das Ganze von «ärgerlich» zu «empörend» macht. Die schlechtere Rendite bekommst du nämlich nicht etwa gratis – du bezahlst einen kräftigen Aufpreis dafür:
| Variante | Ø Gebühr pro Jahr |
|---|---|
| Passive Lösung | 0.45 % |
| Aktive Lösung | 1.08 % |
| Mehrkosten aktiv | +140 % |
Aktive 3a-Fonds kosten im Schnitt 1.08 % pro Jahr, passive nur 0.45 % – also deutlich mehr als doppelt so viel. Du zahlst mehr, um weniger zu bekommen. In jeder anderen Branche wäre das ein handfester Skandal; in der Vorsorge ist es leider der Normalfall.
Und diese Differenz ist kein Detail. Eine jährliche Mehrgebühr von 0.6 Prozentpunkten klingt nach wenig, frisst über ein Vorsorgeleben aber locker einen sechsstelligen Betrag – Geld, das nicht dir gehört, sondern der Bank und ihren Fondsmanagern.
Das hier ist kein Zufallsbefund aus fünf Jahren Schweizer 3a-Markt. Es ist exakt das, was die Finanzwissenschaft seit einem halben Jahrhundert vorhersagt. Drei einfache Gründe genügen, um zu verstehen, warum aktives Management strukturell verlieren muss.
Der Nobelpreisträger William Sharpe hat es 1991 auf eine Logik gebracht, die man nicht widerlegen kann. Alle Anleger zusammen besitzen den gesamten Markt. Die durchschnittliche Rendite aller Anleger ist also genau die Marktrendite – vor Kosten. Teilt man die Anleger in «aktiv» und «passiv», muss auch der Durchschnitt der aktiven gleich der Marktrendite sein, vor Kosten.
Jetzt kommen die Gebühren ins Spiel. Passive Anleger zahlen fast nichts, aktive zahlen viel. Nach Kosten muss der durchschnittliche aktive Anleger deshalb zwingend schlechter abschneiden als der durchschnittliche passive. Das ist keine Theorie, keine Studie, keine Meinung – das ist simple Arithmetik. Und genau das siehst du oben in jeder einzelnen Risikostufe.
Man könnte sagen: «Gut, aber ich nehme ja nicht den Durchschnitt, sondern einen guten Manager.» Das Problem ist, dass es kaum gelingt, die guten Manager im Voraus zu erkennen. In normalen Marktphasen beobachten weltweit tausende hochbezahlte Profis mit Hochleistungsrechnern jeden Winkel des Marktes. Sobald eine Aktie auch nur einen Moment zu billig ist, wird sie gekauft – und der Preis schnellt aufs faire Niveau. Alle öffentlich verfügbaren Informationen stecken bereits im Kurs.
Das heisst: Damit dein Fondsmanager systematisch gewinnt, muss er dauerhaft schlauer sein als die geballte Konkurrenz aller anderen Profis – und das auch noch um genug, um seine hohen Gebühren wieder hereinzuholen. Ein paar schaffen das in einzelnen Phasen. Aber im Voraus weiss niemand, welche. Genau deshalb taugt die Bestenliste von gestern nichts für die Entscheidung von heute.
Der Forscher Hendrik Bessembinder hat gezeigt: Über die ganz lange Frist stammt praktisch der gesamte Vermögenszuwachs am Aktienmarkt von einer kleinen Minderheit der Aktien. Die grosse Mehrheit der Einzeltitel trägt unterm Strich kaum etwas bei. Wer aktiv auswählt, muss also nicht nur «gute» Aktien finden, sondern ausgerechnet diese wenigen Raketen erwischen – und gleichzeitig in ihnen investiert bleiben.
Verpasst ein aktiver Fonds nur eine Handvoll dieser Ausnahme-Gewinner, fällt er hinter den Markt zurück. Ein passiver Index dagegen besitzt sie automatisch alle – weil er einfach alles hält. Das ist der unsichtbare strukturelle Vorteil, der sich Jahr für Jahr summiert.
Das ist die entscheidende Frage. Wenn die Datenlage seit 50 Jahren eindeutig ist und sich in jeder Auswertung bestätigt, warum bekommst du beim Beratungsgespräch trotzdem fast immer die aktive Lösung empfohlen? Die unbequeme Antwort steht schon in der Gebührentabelle weiter oben.
Der Punkt ist nicht, dass dein Berater ein böser Mensch ist. Der Punkt ist, dass er in einem System arbeitet, das ihn fürs Verkaufen der teuren Variante belohnt. Er lebt von genau den Gebühren, die deine Rendite auffressen. Sein Interesse (hohe Marge) und dein Interesse (hohe Rendite) zeigen in entgegengesetzte Richtungen. Das nennt man einen Interessenkonflikt – und er ist nicht die Ausnahme, sondern in das Geschäftsmodell eingebaut.
Solange die Person, die dich «berät», an deinem Produkt mitverdient, ist sie kein Berater. Sie ist ein Verkäufer. Beides kann nett, kompetent und sympathisch auftreten – aber nur eines von beiden hat ein finanzielles Interesse daran, dass du die für dich beste Wahl triffst.
Die gute Nachricht: Du bist diesem System nicht ausgeliefert. In der Säule 3a zu wechseln ist heute einfacher denn je, und es gibt eine Handvoll Anbieter, die es richtig machen – günstig, passiv, transparent, ohne dir teure Fonds anzudrehen.
Diese Namen sind keine Empfehlung im Sinne von «kauf genau das» – ich verkaufe nichts und verdiene an keinem dieser Anbieter. Es sind schlicht die Lösungen, die in den Daten gut abschneiden, weil sie auf das teure aktive Management verzichten. Vergleiche selbst, achte auf den ausgewiesenen Aktienanteil und die Gesamtgebühr (TER), und entscheide dann.
Aktives Management in der Säule 3a kostet dich im Schnitt mehr als das Doppelte und liefert in 93 % der Fälle weniger als die simple passive Alternative – nicht wegen Pech, sondern aus mathematischen und strukturellen Gründen, die seit Jahrzehnten bekannt sind. Empfohlen wird es trotzdem, weil jemand an den hohen Gebühren verdient – nur eben nicht du.
Dein hart erarbeitetes Geld hat etwas Besseres verdient, als die teuren Fondsmanager einer Bank zu finanzieren. Schau dir deinen 3a-Auszug an. Wenn dort ein teurer aktiver Fonds steht, weisst du jetzt, was zu tun ist – und dass es sich lohnt.
Dieser Beitrag dient der Finanzbildung und ist keine Anlage-, Steuer- oder Vorsorgeberatung. Genannte Anbieter sind Beispiele für kostengünstige passive Lösungen und stellen keine Kaufempfehlung dar; TrueFinance erhält von keinem der genannten Anbieter eine Vergütung. Vergangene Renditen sind keine Garantie für die Zukunft. Die ausgewerteten 5-Jahres-Zahlen sind Stichtagswerte und können je nach Stichtag abweichen. Prüfe vor einem Wechsel die aktuellen Konditionen, Gebühren und den Aktienanteil des jeweiligen Produkts und ziehe bei Bedarf unabhängigen Rat bei.
Bei TrueFinance geht es um Finanzbildung ohne Interessenskonflikte – keine versteckten Provisionen, keine Produktverkäufe. Die Rendite- und Gebührenzahlen stammen aus dem unabhängigen 3a-Fonds-Vergleich von Evaluno.ch; die Auswertung nach Aktienanteil habe ich selbst gemacht.
Genau deshalb zeige ich dir transparent jede Zahl und jede Quelle – damit du deine 3a-Entscheidung selbst und gut informiert treffen kannst, ohne dass dir jemand etwas verkaufen will.
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