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Wissen · Mythos-Check

Kaufen oder mieten? Die Frage, die die ganze Schweiz beschäftigt, wird beantwortet.

Kaum ein Geldthema polarisiert hierzulande mehr – am Familientisch, im Freundeskreis, in jeder Kommentarspalte. Ein Grund dafür: Ein Grossteil dessen, was du dazu zu hören bekommst, kommt von Banken, Maklern und Bauträgern, die am Hauskauf verdienen – nie an deiner Miete. Ihr Rat ist also selten ganz uneigennützig. Wer stattdessen sauber und unabhängig rechnet, bekommt eine klare, überprüfbare Antwort statt Bauchgefühl. Hier sind die Zahlen.

Lesezeit ca. 9 Min.· Unabhängig & faktenbasiert
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«Kaufen oder mieten?» ist wohl die Geldfrage, über die in der Schweiz am hitzigsten gestritten wird – meist ohne dass am Ende jemand wirklich nachrechnet. Kein Wunder, dass die Emotionen hochkochen: Ein grosser Teil der veröffentlichten Meinung dazu stammt von einer Branche mit handfestem Interessenkonflikt. Dazu kommt ein Satz, den du garantiert schon gehört hast: «Miete ist zum Fenster rausgeworfenes Geld.» Er klingt logisch. Aber wer einmal sauber rechnet, merkt: Der Satz ist nicht nur falsch – er kostet dich womöglich Hunderttausende.

Was du nach diesem Beitrag verstehst
Sandra und Miguel sind beide 20, gleicher Lohn, je 1'000 Franken pro Monat zum Sparen. Sandra träumt vom Eigenheim und spart fleissig aufs Sparkonto – so, wie sie es von ihren Eltern gelernt hat. Miguel plant keinen Hauskauf, ist gern Mieter und finanziell gebildet: Er legt dieselben 1'000 Franken nicht aufs Konto, sondern investiert sie in einen globalen, passiven Aktien-ETF. In der Schweiz kauft man sein erstes Haus im Schnitt erst mit 48. Wer steht bis dahin besser da?

Teil 1: Der unsichtbare Vorsprung — bevor überhaupt ein Haus gekauft wird

Hier kommt der Punkt, den fast alle Vergleiche übersehen. In der Schweiz kauft man sein erstes Eigenheim spät. Das durchschnittliche Alter der Hauskäufer liegt bei rund 48 Jahren; das Durchschnittsalter aller Wohneigentümer ist von 54 (2000) auf 58 (2018) gestiegen — Tendenz weiter steigend.

Der Grund ist strukturell: Du brauchst mindestens 20% Eigenkapital plus eine strenge Tragbarkeit. Bei einem Objekt von ~1.4 Mio. sind das schnell ~280'000 Franken Eigenkapital. Das spart man nicht in zwei Jahren zusammen — sondern über Jahrzehnte. Und genau in diesen Jahrzehnten passiert das Entscheidende: Sandra parkt ihr Geld renditelos auf dem Konto, wo es real sogar an Wert verliert, während Miguels Geld längst im Markt arbeitet.

1'138'076
Miguel (ETF) mit 48
373'755
Sandra (Konto) mit 48
+764'321
Vorsprung durch Rendite

Beide zahlen exakt gleich viel ein: 336'000 Franken (1'000 pro Monat über 28 Jahre). Der Unterschied von über 760'000 Franken entsteht ausschliesslich durch die Rendite — 7.5% im global gestreuten Aktien-ETF gegen ~0.75% auf dem Sparkonto. Und weil der Zinseszins exponentiell wirkt, beschleunigt der Abstand danach: Investiert Miguel einfach weiter, hat er mit 65 rund 4,4 Millionen Franken — Sandra hingegen verschuldet sich mit 48 für ihr Haus und fängt den Vermögensaufbau im Stein erst dann richtig an.

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Teil 2: Ab dem Hauskauf — mieten vs. kaufen, ehrlich gerechnet

Jetzt kauft Sandra ihr Haus. Vergleichen wir ab diesem Moment fair. «Fair» heisst nach der Methodik von Gerd Kommer: Käufer und Mieter geben in jedem Jahr gleich viel für Wohnen und Vermögensaufbau aus. Der Mieter legt das Eigenkapital plus Kaufnebenkosten in einen ETF — und investiert laufend die Differenz zwischen den Eigenheimkosten (Zins, Amortisation, Unterhalt) und seiner Miete. Nur so vergleicht man nicht Äpfel mit Birnen.

Für das Beispiel haben wir nicht mit Fantasiezahlen gerechnet, sondern mit je 20 realen, aktuellen Inseraten – 20 zum Kaufen und 20 zum Mieten – für vergleichbare 4.5-Zimmer-Objekte (ca. 118 m²) im Raum Uster / Zürcher Oberland, jeweils nach denselben Kriterien ausgewertet und gemittelt. Daraus ergibt sich ein realistisches Durchschnittsobjekt: Kaufpreis rund CHF 1'395'000 – dafür braucht es bei 20% schon rund CHF 279'000 Eigenkapital in bar. Dasselbe Objekt mietet man aktuell für rund CHF 3'350 pro Monat. So vergleichen wir dieselbe Objektklasse – Kauf gegen Miete – und nicht eine Luxuswohnung gegen eine Bruchbude.

Die zwei Zahlen, die über alles entscheiden

Ein Vergleich über 35 Jahre steht und fällt mit zwei Renditeannahmen. Beide sind hier bewusst nicht geschätzt, sondern aus echten Marktdaten hergeleitet – und beide kannst du im Rechner frei anpassen:

Woher die Standardannahmen kommen

Beide Zahlen sind bewusst keine Schätzung, sondern der reine historische Marktdurchschnitt – nicht optimistisch nach oben frisiert, aber auch nicht künstlich konservativ nach unten gedrückt. Bei der Immobilie ist dabei trotzdem ein wichtiger Punkt zu beachten, den viele Rechner unterschlagen: das Einzelwertrisiko.

Ein globaler Aktien-ETF hält gleichzeitig Tausende Unternehmen aus allen Branchen und Ländern – schneidet eines schlecht ab, gleichen die anderen es aus. Genau darauf beruht die statistische Verlässlichkeit des langfristigen Marktdurchschnitts. Eine einzelne Immobilie hat diesen Ausgleich nicht. Sie hängt an einem einzigen Ort, einer einzigen Lage, einem einzigen Gebäudezustand und tausend lokalen Zufällen – von der Quartierentwicklung über die Zonenplanung bis zum Zustand des Dachs. Die 2.7% im Rechner sind der breit gemessene Marktdurchschnitt aller Schweizer Einfamilienhäuser über 40 Jahre – aber ob deine konkrete, einzelne Immobilie wirklich diesen Durchschnitt trifft, darüber oder darunter liegt, weiss niemand im Voraus. Die mathematische Beruhigung durch Diversifikation, die beim breiten Aktienmarkt greift, gibt es beim Einzelobjekt schlicht nicht.

Genauso wichtig: jede Anpassung dieser Annahmen verändert das Ergebnis spürbar. Ein tieferer Hypothekarzins oder eine höhere Wertsteigerung schieben das Resultat Richtung Kauf; eine tiefere ETF-Rendite oder eine höhere Miet­steigerung schieben es zurück Richtung Miete. Nichts davon ist in Stein gemeisselt – deshalb ist der Rechner unten so gebaut, dass du jede einzelne Zahl selbst verändern und die Auswirkung sofort sehen kannst. Die wichtigsten Stellschrauben im Überblick:

Die wichtigsten Stellschrauben im Rechner
Was zahlst du als Käufer eigentlich – und wofür?
Bevor wir zum Endergebnis kommen, lohnt sich ein Blick auf die Käuferkosten selbst. Sie bestehen aus drei sehr unterschiedlichen Teilen — nur einer davon baut Vermögen auf.
HypothekarzinsMiete fürs geliehene Geld an die Bank. Ist weg — baut kein Vermögen auf, genau wie eine Wohnungsmiete.
Unterhalt & NebenkostenReparaturen, Versicherungen, Instandhaltung. Ebenfalls verbraucht, baut kein Vermögen auf.
AmortisationRückzahlung der Hypothek. Kein Verlust — das Geld wandert von Bargeld in Eigenkapital im Haus.
Miete (Vergleich)Was der Mieter im selben Jahr für dieselbe Wohnqualität zahlt.
0 20k 40k 60k 1 5 10 15 20 25 30 35 Jahr →
Gut sichtbar: Die violette Amortisation-Säule verschwindet ab Jahr 16 komplett — die Ziel-Belehnung von 65% ist erreicht, ab da wird nicht mehr getilgt. Gleichzeitig wächst der orange Unterhalt-Block stetig mit, weil er an den (steigenden) Immobilienwert gekoppelt ist. Und ab Jahr 20 liegt die gesamte Käuferkosten-Säule bereits unter der gestrichelten Miete-Linie: Kaufen ist ab hier günstiger als Mieten — nur eben mit Geld, das grösstenteils illiquide im Haus gebunden ist.

Über 35 Jahre verhalten sich die vier Wege so:

Mieten + ETF
Du mietest und investierst die Differenz konsequent in einen ETF.
≈ 5,61 Mio.
CHF nach 35 Jahren
Bester Weg
Kaufen + ETF
Du kaufst UND investierst zusätzlich, wenn Kaufen günstiger ist als Mieten.
≈ 3,10 Mio.
CHF nach 35 Jahren
Kombination aus beidem
Haus kaufen
Du kaufst und baust über die Hypothek Eigenkapital im Haus auf.
≈ 2,57 Mio.
CHF nach 35 Jahren
Solides Mittelding
Mieten + nichts tun
Du mietest und gibst die Differenz aus, statt sie anzulegen.
≈ 377'000
CHF nach 35 Jahren
Schlechtester Weg
Gleiche Person, gleicher Lohn, gleiche monatliche Ausgaben. Der einzige Unterschied: was sie mit dem Geld macht.

Spannender als das Endergebnis ist der Verlauf. So entwickelt sich das Nettovermögen an den Meilensteinen:

JahrMieten + ETFKaufen + ETFHaus kaufenNichts tun
Start292'950265'050265'050292'950
Jahr 5480'473515'647515'647329'942
Jahr 151'138'5691'131'9671'131'967376'743
Jahr 252'527'2251'919'7291'754'351376'743
Jahr 355'609'5563'096'6652'566'738376'743
Werte in CHF, nominal. «Haus kaufen» = Immobilienwert abzüglich Restschuld und Verkaufskosten. «Kaufen + ETF» = dasselbe plus ein Zusatzdepot, das immer dann wächst, wenn Kaufen in einem Jahr günstiger ist als Mieten.

Fünf Dinge fallen auf. Erstens: Über die volle Distanz gewinnt Mieten plus konsequentes Investieren klar – nach 35 Jahren liegt «Mieten + ETF» rund CHF 3,0 Mio. vor dem reinen Hauskauf. Zweitens: In den ersten Jahren liegt der Hauskauf sogar vorne – bei Jahr 5 etwa CHF 515'647 gegen CHF 480'473. Das ist kein Fehler, sondern Mathematik: Die Immobilie startet sofort mit dem vollen Kaufpreis als Basis, während der ETF erst mit dem kleineren Eigenkapital beginnt und Zeit braucht, um über den Zinseszins aufzuholen. Erst ab etwa Jahr 15–16 zieht «Mieten + ETF» spürbar davon. Drittens: «Kaufen + ETF» und «Haus kaufen» laufen bis Jahr 15 identisch, weil in dieser Zeit Mieten durchgehend günstiger ist als Kaufen – das Zusatzdepot des Käufers bleibt also leer. Erst danach, wenn sich das Verhältnis dreht, füllt es sich und «Kaufen + ETF» zieht spürbar am reinen Hauskauf vorbei. Viertens: Hauskauf ohne Zusatzdepot bleibt trotzdem ein solides Mittelding – kein schlechtes Ergebnis, nur eben nicht das beste. Fünftens, und das ist die eigentliche Lektion: «Mieten und nichts tun» ist mit Abstand das schwächste Resultat. Bis Jahr 15 wächst das Ersparte noch, weil die Miete günstiger ist als die Käuferkosten und laufend etwas zurückgelegt wird. Danach dreht sich das Verhältnis: Die Immobilienunterhaltskosten wachsen mit der Wertsteigerung (2.7%), die Miete nur mit 1.3% – ab da wären die Käuferkosten sogar tiefer als die Miete, und «nichts tun» bekommt schlicht keine neuen Beiträge mehr. Das Bargeld friert bei CHF 376'743 ein und bleibt für den Rest der Laufzeit exakt dort stehen, während «Mieten + ETF» im gleichen Zeitraum sein bereits investiertes Kapital einfach ungestört weiter zu 8.3% verzinst.

Vermögensentwicklung aller vier Wege über 35 Jahre
Dieselbe Kurve, die auch der Rechner unten live für deine eigenen Zahlen zeichnet — hier mit den Standardwerten des Beispiels.
0 1.5 Mio 3 Mio 4.5 Mio 6 Mio 0 5 10 15 20 25 30 35 Jahre
Mieten + ETF Kaufen + ETF Haus kaufen Mieten + nichts tun
Gut zu erkennen: Bis Jahr 15–16 verlaufen «Kaufen + ETF» (blau) und «Haus kaufen» (violett) deckungsgleich — das Zusatzdepot ist noch leer. Danach spreizen sich alle vier Kurven zunehmend auseinander, während «Mieten + nichts tun» (rot, gestrichelt) komplett flach bleibt. Genau dieses Auseinanderdriften über Zeit ist der Zinseszinseffekt in Aktion.
Das Grundprinzip: Wohnen zahlst du immer aus deinem Einkommen — investiert wird nur die Differenz

So, wie du heute schon Miete oder Hypothek aus deinem Lohn bezahlst, tun das auch alle vier Wege in diesem Vergleich: Miete und Käuferkosten (Zins, Amortisation, Unterhalt) werden immer ganz normal aus dem laufenden Einkommen finanziert. Nur die Differenz zwischen beiden Seiten — wer in einem bestimmten Jahr weniger fürs Wohnen ausgibt — fliesst zusätzlich in ein ETF-Depot. Das ist die Grundlage für einen fairen Vergleich: Niemand gibt insgesamt mehr für Wohnen + Sparen aus als die Gegenseite, und niemand verkauft bereits investiertes Kapital, um eine höhere Miete oder höhere Käuferkosten zu decken.

Im Standardbeispiel ist Mieten in 15 von 35 Jahren günstiger (dort investiert «Mieten + ETF» die Differenz), Kaufen in den restlichen 20 von 35 Jahren (dort investiert stattdessen «Kaufen + ETF»). Über die gesamten 35 Jahre summiert: Als Mieter hättest du insgesamt CHF 1'767'435 für Miete bezahlt, als Käufer wären es CHF 1'628'193 für Zins, Amortisation und Unterhalt zusammen gewesen — reines Wohnen war damit über die gesamte Zeit betrachtet rund CHF 139'242 günstiger im Eigenheim. Trotzdem hat am Ende «Mieten + ETF» das meiste Vermögen. Der Grund liegt nicht darin, dass Mieten billiger wäre — sondern darin, was mit der jeweiligen Differenz passiert: konsequent zu 8.3% investiert schlägt fast jede Ersparnis beim reinen Wohnen.

Woher kommt das Vermögen am Schluss?

Beim Sieger «Mieten + ETF» (CHF 5'609'556) stecken CHF 292'950 ursprünglich eingesetztes Kapital drin (Eigenkapital + Kaufnebenkosten, die nie ins Haus geflossen sind) — der Rest, CHF 5'316'606, ist Kursgewinn auf dieses Kapital plus die laufenden Zusatzeinzahlungen aus den 15 «Mieten war günstiger»-Jahren.

Der Kredithebel-Mythos: Was die Eigenkapitalrendite wirklich bedeutet

Ein Blick, den viele Immobilien-Rechner bewusst weglassen: Die CHF 292'950 Eigenkapital beim reinen Hauskauf sind nach 35 Jahren CHF 2'566'738 wert. Rechnet man das auf eine jährliche Rendite um, ergibt das rund 6,4% pro Jahr — deutlich mehr als die reinen 2.7% Wertsteigerung der Immobilie selbst. Der Grund ist der Kredithebel (Leverage): Du finanzierst 80% mit einer Hypothek, die Wertsteigerung bekommst du aber auf den vollen Kaufpreis, nicht nur auf dein eingesetztes Eigenkapital.

Genau diese Rechnung ist es, mit der die Immobilienbranche gerne wirbt: «Mit wenig Eigenkapital eine hohe Rendite erzielen». Das Problem dabei, wie Gerd Kommer und Tobias Jerschensky in ihrem Beitrag zum Kredithebelmythos ausführlich darlegen: Ein Hebel verstärkt nicht nur Gewinne, sondern symmetrisch auch Verluste — und genau diese Seite der Rechnung fehlt in den meisten Marketing-Beispielen der Immobilienbranche. Wäre die Wertsteigerung in unserem Beispiel statt +2.7% p.a. nur −1% p.a. gewesen (in der Vergangenheit international keineswegs unrealistisch, siehe Kasten unten), stünden die gleichen CHF 292'950 Eigenkapital nach 35 Jahren nur noch bei CHF 54'933 — ein Verlust von über 80%, bei einer jährlichen Rendite von rund −4,7%. Derselbe Hebel, der im positiven Szenario die Rendite von 2.7% auf 6.4% verstärkt, verstärkt im negativen Szenario den Verlust ebenso überproportional.

Kommer und Jerschensky fassen die akademische Forschung dazu so zusammen: Für gewerbliche wie private Immobilieninvestoren gibt es keine verlässlichen Belege dafür, dass ein hoher Fremdkapitalanteil die risikoadjustierte Eigenkapitalrendite verbessert — im Schnitt eher das Gegenteil. Für Deutschland zeigen ihre Daten, dass Leverage bei selbstnutzenden Eigenheimbesitzern seit 1970 in der Mehrzahl der langfristigen Zeitfenster sogar renditemindernd wirkte. Der Hebel ist also kein Free Lunch, sondern in erster Linie ein Risikoverstärker — er macht ein ohnehin einzelnes, nicht diversifiziertes Investment noch konzentrierter. Das heisst nicht, dass Kaufen falsch ist. Es heisst nur: Die oft zitierte hohe «Eigenkapitalrendite» beim Immobilienkauf ist kein Geschenk, sondern der Preis für ein höheres Risiko — genau wie an jedem anderen Kapitalmarkt auch.

Zur Einordnung — Wohnimmobilien können crashen, auch wenn man das oft vergisst: Das sind keine Schweizer Zahlen, sondern internationale Beispiele, die zeigen, dass "Betongold" keineswegs immer nur steigt: USA 2006–2011: −39%. Irland 2007–2013: −57%. Niederlande 1978–1985: −51%. Japan 1990–2009: −49%. Deutschland 1981–2010: −31% (alle real, inflationsbereinigt). Das sind zudem gesamte nationale Marktdurchschnitte ohne Hebelwirkung — für ein einzelnes, kreditfinanziertes Objekt wäre der Einschlag auf das Eigenkapital deutlich grösser gewesen. Die Schweiz war von solchen Einbrüchen bisher verschont, das ist aber keine Garantie für die Zukunft. Quelle: Gerd Kommer & Tobias Jerschensky, «Der Kredithebelmythos bei Immobilien», Gerd Kommer Blog, November 2024.
Bevor du falsche Schlüsse ziehst: Häufige Denkfehler
Transparenz zu den Annahmen: Dieses Beispiel rechnet mit den Standardwerten des Rechners: 2.7% Wertsteigerung p.a. für die Immobilie (Wüest Partner Transaktionspreisindex, Einfamilienhäuser Schweiz, annualisiert über 1985–2025) und 8.3% ETF-Rendite p.a. (MSCI World in CHF, historisch seit 1979). Beide Werte sind Marktdurchschnitte, keine Prognosen – und beide sind frei anpassbar. Alle Zahlen oben sind nominal, also in künftigen Franken ohne Kaufkraftbereinigung. Der Rechner unten hat zusätzlich einen Inflations-Schieber, mit dem du dieselben Ergebnisse auch real, also in heutiger Kaufkraft, anzeigen lassen kannst – gerade über 35 Jahre macht das einen spürbaren Unterschied. Setz im Rechner deine Annahmen ein und prüf, ob das Ergebnis robust bleibt.
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«Aber Rentner mit Eigenheim sind doch reicher!»

Stimmt — oberflächlich. Nur ist das Eigenheim nicht die Ursache des Vermögens, sondern die Folge. Wer ein Haus kaufen kann, hatte meist über Jahrzehnte ein höheres Einkommen und eine höhere Sparquote. Gerd Kommer bringt es mit einem Bild auf den Punkt: Auch Ferrari-Besitzer sind im Schnitt vermögender als der Rest — aber niemand würde behaupten, der Ferrari habe sie reich gemacht. Beim Eigenheim ist es genauso.

Was gegen den Kauf spricht — genauso fairerweise: Eine Immobilie bindet dich örtlich. Ändert sich deine Lebenssituation – neuer Job in einer anderen Stadt, Trennung, Familienzuwachs, einfach Lust auf etwas Neues – kannst du nicht einfach zügeln. Verkauf, Käufersuche, Handänderung, Grundstückgewinnsteuer: Das dauert Monate und kostet Geld. Der Mieter kündigt und zieht um. Diese Flexibilität hat einen Wert, den keine Excel-Tabelle sauber in Franken ausdrücken kann – für den einen ist sie Gold wert, für den anderen spielt sie kaum eine Rolle.

Mythos-Check: «Die Inflation hilft mir als Kreditnehmer»

Ein beliebtes Kaufargument lautet: Inflation entwerte die Hypothekarschuld, der Kreditnehmer profitiere. Das klingt einleuchtend, hält aber einer genaueren Prüfung nicht stand.

Der Grund: Die von den Finanzmärkten erwartete künftige Inflation ist bereits in den Hypothekarzinsen eingepreist. Steigt die erwartete Inflation, steigen tendenziell auch die Zinsen — und umgekehrt. Der vermeintliche Vorteil bei der Tilgung (die Schuld bleibt nominal gleich, während Einkommen und Immobilienwert mit der Inflation mitwachsen) wird durch den Nachteil höherer Zinszahlungen über die Kreditlaufzeit im Schnitt wieder aufgehoben. Wäre das «Weginflationierungs»-Argument systematisch richtig, müssten Banken als Kreditgeber systematisch verlieren — das tun sie nachweislich nicht.

Einzelne Kreditnehmer können im Nachhinein von einer falsch eingeschätzten Inflation profitieren oder verlieren, je nachdem ob die tatsächliche Teuerung über oder unter der bei Kreditabschluss erwarteten liegt — das ist aber Zufall, keine verlässliche Strategie. Quelle: Gerd Kommer & Marcel Lauterwasser, «Die Inflation hilft mir als Kreditnehmer – Träum weiter!», Juni 2023.

Zwei Sätze, die meist von finanziell ungebildeten Menschen kommen

«Miete ist rausgeworfenes Geld» und «Ein Eigenheim ist die beste Investition» – beide Sätze klingen nach gesundem Menschenverstand, haben aber selten ein solides Fundament. Wer sie ausspricht, kennt finanziell oft nicht viel mehr als das Sparkonto. Argumente wie «Meine Eltern hatten auch ein Haus, damit macht man nichts falsch» sind Bauchgefühl, keine Rechnung.

Die unbequeme Wahrheit: Ein Eigenheim ist in erster Linie eine Lifestyle-Entscheidung – und nicht automatisch ein gutes Investment. Es kann sich rechnen, es kann sich emotional lohnen, aber «sicher gut, weil Stein» ist es nicht. Und Miete ist kein verlorenes Geld: Du bezahlst damit fürs Wohnen und für Flexibilität – genauso, wie der Käufer mit Zins, Unterhalt und entgangener Rendite auf seinem Eigenkapital fürs Wohnen bezahlt. Am Ende ist die Wohnform kein reines Rechenexempel, sondern auch eine Frage deiner individuellen Lebenssituation — Familienplanung, berufliche Mobilität, Sicherheitsbedürfnis. Die Zahlen zeigen dir, was es kostet; entscheiden musst du selbst, was dir diese Kosten wert sind.

Wem nützt der Satz «Miete ist rausgeworfenes Geld»?

Banken, Versicherungen, die Immobilienbranche und Berater mit Provisionsinteresse verdienen an Hypotheken und Produkten rund um den Kauf – nicht an deiner Miete. Entsprechend wird Miete gern als «rausgeworfenes Geld» dargestellt. Für den finanziell ungebildeten Bürger klingt das logisch. Wer richtig rechnet, weiss: Mieten plus konsequentes Investieren des Eigenkapitals führt langfristig oft zu einem deutlich höheren Endvermögen. Genau deshalb gibt es TrueFinance – Finanzbildung ohne Interessenskonflikt.

Die stille Formel — 4 Merksätze
  1. Zeit schlägt Timing. Der wertvollste Tag zum Investieren ist dein erster Lohntag, nicht der Tag des Hauskaufs.
  2. Die Differenz entscheidet. Ob Mieten oder Kaufen — wer die Differenz investiert, gewinnt. Wer sie verkonsumiert, verliert.
  3. Rendite ist der Hebel, nicht die Sparrate allein. Gleiches Geld bei 6% statt 0.75% macht über Jahrzehnte Hunderttausende aus.
  4. Mach dir das Sparen automatisch. Was beim Käufer die Hypothek erzwingt, erreichst du als Mieter mit einem Dauerauftrag in den ETF.
Deine Checkliste — heute umsetzbar

Fazit

Mieten oder kaufen ist nicht die entscheidende Frage. Beide Wege können funktionieren — solange du dein Geld arbeiten lässt. Die teuerste Entscheidung ist nicht der «falsche» Wohnstatus, sondern gar nichts zu tun: zu mieten und die Differenz zu verkonsumieren, oder das Eigenkapital fürs ferne Eigenheim jahrzehntelang renditelos auf dem Konto liegen zu lassen.

Wichtig zur Einordnung, damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Nichts an diesem Ergebnis ist ein Naturgesetz gegen das Eigenheim. Bei einem günstigen Objekt (tiefer Kaufpreis im Verhältnis zur Marktmiete), einem tiefen Hypothekarzins oder einer überdurchschnittlichen erwarteten Wertsteigerung kann «Kaufen + ETF» — oder sogar der reine Hauskauf — rechnerisch klar vorne liegen. Genau das kannst du im Rechner unten für dein Objekt und deine Region durchspielen; die Annahmen sind bewusst frei wählbar. Für das hier verwendete Beispiel — ein reales, aktuelles 4.5-Zimmer-Objekt aus der Agglomeration Kanton Zürich, Stand August 2026 — sieht das Bild bei den heutigen Marktpreisen, Hypothekarzinsen und der langfristigen Mietsteigerung aber klar so aus: «Mieten + ETF» gewinnt deutlich, der reine Hauskauf ohne Zusatzinvestition ist tendenziell die schwächere Wahl, und «Mieten + nichts tun» ist so oder so keine Option, um ernsthaft Vermögen aufzubauen — das gilt praktisch unabhängig davon, wie man an den übrigen Annahmen dreht.

Die beste Option ist langfristig mieten und gleichzeitig konsequent in einen globalen, passiven Aktien-ETF investieren – aber nur, wenn du es wirklich Jahr für Jahr durchziehst. Genau hier liegt der Haken: Dem Käufer nimmt die Hypothek die Disziplin ab, der Mieter muss sie selbst aufbringen. Wer das nicht schafft, für den ist der «Knebelvertrag» Eigenheim oft die ehrlichere Wahl als gute Vorsätze.

Die stille Formel lautet: früh anfangen, konsequent investieren, automatisieren. Den Rest erledigt der Zinseszins. Probier die beiden Rechner aus und finde heraus, was für deine Situation gilt.

Schweizer Besonderheiten (Kurzüberblick)

Ein paar Punkte, die kein Online-Rechner pauschal abbildet, im Einzelfall aber mitspielen:

Steuerfreie Kursgewinne
Kursgewinne aus Aktien und ETFs sind für Privatpersonen steuerfrei; nur Dividenden werden als Einkommen besteuert – ein struktureller Vorteil der Anlegerseite.
Eigenmietwert im Umbruch
Eigenheimbesitzer versteuern aktuell einen «Eigenmietwert», können dafür Hypothekarzinsen und Unterhalt abziehen. Das System steht vor einem Wechsel.
Indirekte Amortisation über die Säule 3a
Statt direkt zu tilgen, kann über die Säule 3a amortisiert werden – steuerlich oft vorteilhafter und gleichzeitig in einen 3a-ETF investiert.
Grundstückgewinnsteuer
Beim Verkauf fällt eine Grundstückgewinnsteuer an, die mit der Haltedauer sinkt; in den Rechnern nur pauschal über «Verkaufskosten» abgebildet.

Quellen & Datengrundlage

  1. Durchschnittliches Alter der Hauskäufer in der Schweiz (~48 Jahre): Handelszeitung, Juni 2025 — handelszeitung.ch
  2. Durchschnittsalter Wohneigentümer (54 → 58 Jahre): SWI swissinfo.ch / Credit Suisse, 2024 — swissinfo.ch
  3. Mietsteigerung langfristig (~1.2–1.3% p.a. seit 1996): Bundesamt für Statistik, Mietpreisindex im Landesindex der Konsumentenpreise (LIK).
  4. Methodik des fairen Mieten-vs-Kaufen-Vergleichs: Gerd Kommer & Tobias Jerschensky, «Mieten oder Kaufen».
  5. Beispielobjekt: Durchschnitt aus je 20 realen, aktuellen Kauf- und 20 Mietinseraten für vergleichbare 4.5-Zimmer-Objekte (ca. 118 m²) im Raum Uster / Zürcher Oberland, Schweizer Immobilienportale, Stand 2026.
  6. Langfristige Wertsteigerung Immobilien (2.7% p.a.): Wüest Partner AG, Transaktionspreisindex Wohneigentum, Einfamilienhäuser Gesamtschweiz, Basis 1985 = 100. Annualisierte Rendite 1985–2025 (40 Jahre): 2.7% p.a. Transaktionsbasierter, qualitätsbereinigter Index. Erhebungsstand 30.06.2026.
  7. Langfristige Aktienrendite (8.3% p.a.): MSCI World Index, in CHF seit 1979 historisch rund 8.3% p.a. nominal (Quelle: MSCI Index-Daten). Vergangene Renditen sind kein Indikator für die Zukunft.
  8. Mythos-Check «Inflation hilft Kreditnehmern»: Gerd Kommer & Marcel Lauterwasser, «Die Inflation hilft mir als Kreditnehmer – Träum weiter!», Gerd Kommer Blog, Juni 2023.
  9. Kredithebel-Mythos und historische Immobilien-Preiseinbrüche: Gerd Kommer & Tobias Jerschensky, «Der Kredithebelmythos bei Immobilien», Gerd Kommer Blog, November 2024.
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Genau deshalb zeige ich dir auch hier transparent jede Annahme – damit du deine Entscheidung selbst und gut informiert treffen kannst.

Alle Angaben und Berechnungen erfolgen ohne Gewähr auf Richtigkeit oder Vollständigkeit und dienen ausschliesslich Informations- und Bildungszwecken. Sie stellen keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Ziehe bei konkreten Entscheidungen einen unabhängigen Fachspezialisten bei.